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Vogelgrippemaßnahmen im Schlossgarten

WKZ vom 08.11.2005

Vogelgrippemaßnahmen im Schlossgarten

Schüler der Erich Kästner-Schule zimmerten Volieren im Auftrag der Großheppacher Baronessen von Gaisberg.

Weinstadt-Großheppach (hil)

Schnell und unbürokratisch: Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliches Engagement gehen in Weinstadt Hand in Hand. So gelang es Eva Strehl von der Interessenbörse „IMPULSE", Schüler der Erich Kästner-Schule mit Werkrealschule als Helfer für die Großheppacher Baronessen von Gaisberg zu gewinnen. Ihre Aufgabe: Volierenbau.

Seit Ende Oktober gilt in Deutschland die Eilverordnung von Bundesverbraucherminister Jürgen Trittin: Geflügel muss wegen der Vogelgrippegefahr in Ställen gehalten werden. An diese Eilverordnung müssen sich natürlich auch die Großheppacher Baronessen halten. Nur: Das liebe Federvieh - darunter Enten, Hühner und Gänse - war es bisher gewohnt, im Schlossgarten der Freiheit zu frönen und nur nachts den Stall aufzusuchen. Die Ställe wiederum, die ja bloß als Nachtlager dienen, sind sehr klein. Die Tiere darin einzupferchen, ist Tierquälerei, finden die Baronessen und wandten sich Hilfe suchend an die Interessenbörse.

Interessenbörse IMPULSE organisierte fleißige Helfer für die Baronessen

Eva Strehl, die als „IMPULSE"-Leiterin für Vermittlungen aller Art bekannt ist, nahm den Hilferuf gleich mit zur Stadtseniorenratssitzung. Bei dieser Sitzung, das wusste sie, würde auch Werner Mergenthaler dabei sein. Er ist den Teilnehmern vom Kinderferienprogramm gut bekannt. Dieses Jahr bastelte er mit den Kindern Hasenkäfige. Und wer Hasenkäfige bauen kann, dachte Strehl, der kriegt auch Volieren hin - Außengehege für die Hühner, Enten und Gänse. So sind die Tiere weiterhin an der frischen Luft und nicht im winzigen Stall. Wenn dann noch eine Plane ins Dach eingearbeitet wird, dann entspricht eine Voliere den Bestimmungen zum Schutz vor der Vogelgrippe. Werner Mergenthaler erklärte sich zur Hilfe bereit. Aber alleine Vogelhäuser zu bauen, wäre ein bisschen viel gewesen und so sprach Eva Strehl noch Theo Bachteler an. Er ist der Nachbar der Interessenbörsen-Leiterin und Konrektor an der Erich Kästner-Schule in Endersbach. „Ich hab gefragt, ob er nicht ein paar Schüler wüsste, die Werner Mergenthaler zur Hand gehen konnten", so Strehl. Nur wo die Schüler in den Herbstferien hernehmen?
Bachteler rief bei der Schülerin Annabell Pirk an. Die 15-jährige ließ sich nicht lang bitten: „Die armen Tiere können doch nicht eingesperrt in einem zu kleinen Stall hocken. Und die Baronessen können alleine ja wohl kaum ein Vogelhaus bauen. Klar helfen wir", sagte sie, setzte sich ans Telefon und startete einen Rundruf unter ihren Klassenkollegen. Letztendlich waren es sechs Helfer, die unter der Anleitung von Werner Mergenthaler sägten, hämmerten und sogar ein Bäumchen fällten, um den Tieren der Baronessen einen vogelgrippesicheren Unterschlupf zu bauen. „Die Hühner haben jetzt eine Voliere und die Enten und Gänse haben auch eine. Oben auf dem Drahtgitter haben wir eine Plane gespannt, so wie es die Vogelgrippe-Schutzbestimmungen verlangen", sagte Annabell. Nach Angaben von Eva Strehl leben die Enten und Gänse nun auf einer Fläche von vier auf zehn Metern. Die Grundfläche des Hühnergeheges ist vier auf acht Meter groß. „Den Bestimmungen nach ist alles in Ordnung. Aber für die Tiere wird's eine Umstellung", meint sie. Wegen des Planendaches überlegt Strehl: „Nicht nur, dass die Tiere nicht mehr durch den ganzen Park laufen können. Sie bekommen jetzt auch keine Sonne mehr ab." Zwar habe der Gesetzgeber jetzt nichts mehr zu mosern, aber ob die neue Lebensweise nicht Stress für das Geflügel bedeute? Ob nicht die Qualität der Hühnereier nachlasse, jetzt, wo sie in den begrenzten Außengehegen leben?

Testat über den ehrenamtlichen Einsatz in den Herbstferien

Den Einsatz der Jugendlichen würdigt die Impulse-Leiterin uneingeschränkt als „tolle Sache". Und: Die Jugendlichen haben auch was davon. Sie bekommen von der Schule eine Bescheinigung über ihren ehrenamtlichen Helfereinsatz in den Herbstferien. Anhand des Nachweises können potenzielle Arbeitgeber später sehen, mit wem sie es zu tun haben. Da sagt noch einer, die Jugend sei faul und unengagiert.